Über UnsGeschäftsfelderProdukteVeranstaltungenJobs & KarrierePublikationenKontakt
    
    
    
    
    
    
    
    
    
    

Recht

Verbraucherschützer pochen auf mehr Transparenz

Der Bund der Versicherten (BdV) erwartet vom Karlsruher Urteil zu Lebensversicherungen weitreichende Konsequenzen für die Versicherungsbranche. Vor allem soll es zu mehr Wettbewerb und Transparenz kommen.

Nettoverzinsung der Kapitalanlagen von Lebensversicherungen

Nettoverzinsung der Kapitalanlagen von Lebensversicherungen

"Die Verbraucher werden die kapitalgebundene Lebensversicherung ab 2008 mit anderen Altersvorsorgeprodukten vergleichen können", sagte BdV-Sprecher Thorsten Rudnik. Bisher hätten die Kunden nicht die Chance gehabt, sich ausreichend zu informieren. Bis Ende 2007 hat der Gesetzgeber Zeit, das Grundsatzurteil der Verfassungshüter umzusetzen. "Unsere Erwartungen sind absolut erfüllt worden", sagte er.

Erste Auswirkungen erhofft sich Rudnik bei Neukunden: Hier könne es bereits in der Übergangsphase zu mehr Transparenz und Wettbewerb unter den Anbietern kommen. Der Gesetzgeber werde zudem mehr Klarheit über die Aufteilung der Prämie schaffen müssen - und damit Transparenz über die Anteile der Prämie, die für Risikoschutz, Verwaltungskosten, Vertrieb und Sparanteil aufgewendet werden.

Die Versicherer gewähren ihren Kunden auf den Sparanteil der Prämie eine Mindestverzinsung. Sie beträgt zurzeit 2,75 Prozent. Außerdem lassen die Unternehmen die Kunden mit der so genannten Überschussbeteiligung an den Kapitalerträgen teilhaben. Ende 2004 betrug der Kapitalanlagenbestand der Lebensversicherer rund 626 Mrd. Euro.

 

Kartellartige Policen

Manfred Westphal vom Verbraucherzentrale Bundesverband bezeichnete das Urteil als "Watsch'n für die Praxis der Versicherer". Bislang seien die Vertragsbedingungen für den Kunden nicht verhandelbar und die Policen der Assekuranz einander kartellartig ähnlich. "Bisher hat der Versicherte keine Chance, einen Vertrag abzuschließen, bei dem stille Reserven für die Schlussüberschussbeteiligung herangezogen werden", sagte Westphal. Stille Reserven sind nicht realisierte Gewinne. Im vergangenen Jahr machten sie rund drei Prozent vom Kapitalanlagebestand oder knapp 19 Mrd. Euro aus.

Nach Ansicht von Westphal wird die Finanzaufsicht zudem gezwungen sein, bei der Übertragung von Lebensversicherungen auf ein anderes Unternehmen mehr auf den Schutz von Verbraucherinteressen abzustellen. Das Verfassungsgericht habe die "fehlende positive Prüfung" von Versichertenbelangen im Versicherungsaufsichtsgesetz als verfassungswidrig eingestuft, sagte er. Im konkreten Fall hätten der Deutsche Herold und die R+V Versicherung zwar die Verträge auf neue Gesellschaften übertragen, die mit den Beiträgen erzielten Vermögenswerte jedoch nur zum Teil, sagte auch Rudnik.

"Der Gesetzgeber ist gut beraten, wenn er nicht nur die Inhalte der drei Urteile berücksichtigt, sondern generell eine wesentlich größere Transparenz bei der Überschussbeteiligung fördert", sagte Westphal. Das gelte nicht nur für die Schlussüberschussbeteiligung zum Ende der Vertragslaufzeit, sondern auch für die jährliche Überschussbeteiligung. So müssten höhere Gewinne aus Kostenersparnissen oder gestiegenen Zinserträgen in die Berechnung der Überschussbeteiligungen mit einfließen. Kurzfristig erwartet der Verbraucherschützer aber keine Auswirkungen: "Erst einmal wird sich gar nichts ändern."